Einen Umsatzsprung von fast 20 Prozent melden die elf Bezugs- und Absatzgenossenschaften in Baden-Württemberg (BAG) nach neun Monaten. Maßgeblich dafür sind höhere Preise für Energie sowie ein Investitionsboom in der Landwirtschaft. Auch die Getreidepreise lagen deutlich über dem Vorjahreswert, fielen aber nach der Ernte 2011 wieder zurück. In den ersten drei Quartalen haben die BAGs 468 Mio. Euro (+ 19,6 %) umgesetzt, berichtet der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV).
Enttäuschend war dagegen die Ernte 2011. Mit 204.000 Tonnen Weizen, Gerste, Raps, Roggen, Hafer und anderen Ackerfrüchten haben die Genossenschaften ein Viertel weniger erfasst als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Ernte entfällt auf Weizen. Am härtesten hat es Raps mit – 45 Prozent erwischt. Dafür ist die Qualität insgesamt überdurchschnittlich ausgefallen.
Vor allem die Frühjahrstrockenheit hat die teilweise dramatischen Ertragsrückgänge ausgelöst. Besondere betroffen war das nördliche Baden-Württemberg, wo die Bezugs- und Absatzgenossenschaften schwerpunktmäßig beheimatet sind. Ferner ist die Anbaufläche um etwa 5 Prozent zurückgegangen. Die geringe Ernte werde die Umsätze 2012 beeinträchtigen, heißt es beim BWGV.
Bio-Getreide: Plus 449 Prozent
Aus dem Rahmen fällt Bio-Getreide. Hier gab es einen gewaltigen Sprung im Jahr 2011. Die genossenschaftliche Erfassung kletterte von 528 auf 2.900 Tonnen, ein gewaltiges Plus von 449 Prozent. Das hängt damit zusammen, dass eine Bezugs- und Absatzgenossenschaft die landesweite Erfassung von Demeter-Getreide übernommen hat. Dinkel und Hafer stehen hier im Mittelpunkt.
Die BAGs gehören 9.500 Landwirten in Baden-Württemberg. Sie vermarkten ihre Feldfrüchte, bündeln für die Landwirte den Einkauf von Futter- und Düngemitteln, handeln mit Heizöl und Kraftstoffen für Endverbraucher und betreiben zahlreiche Gartencenter.
Getreidepreise schwanken stark
Die Getreidepreise lagen in den ersten acht Monaten des Jahres 2011 über alle Sorten hinweg um fast die Hälfte über den Tiefständen des letzten Jahres – der Weltmarkt war wieder der Schrittmacher. Nach der Ernte fielen sie allerdings unter das 2010er-Niveau zurück. Trotz eines Mengenrückganges um 14 Prozent haben dadurch die BAGs ihren Umsatz mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen um über 31 Prozent auf 84 Mio. Euro gesteigert. Auch Energie war ein großer Preistreiber. Die Umsätze mit Heizöl und Kraftstoffen gingen der Menge nach leicht zurück (- 2,0 %), kletterten wertmäßig aber um über 17 Prozent auf mehr als 124 Mio. Euro.
Die verbesserte Einkommenssituation vieler Landwirte löste einen Investitionsboom aus. Die Umsätze der BAGs mit Landtechnik kletterten um volle 21 Prozent auf über 38 Mio. Euro. Gefragt waren vor allem neue Maschinen, aber auch das Ersatzteilgeschäft florierte. Der Hauptumsatzträger der BAGs, die Betriebsmittel für die Landwirte, gingen diesen Takt mit. Die Umsätze konnten um 22 Prozent auf 137 Mio. Euro ausgeweitet werden. Fast die Hälfte davon entfällt auf höhere Preise, die ihre Quelle in den höheren Getreide- und Energiepreisen haben.
29. November 2011

