Wirtschaftsministerium und Baden-Württembergischer Genossenschaftsverband starten Genossenschaftsinitiative: Unternehmen können jetzt leichter kooperieren

Mannheim. Genossenschaftsverband und Wirtschaftsministerium in Baden-Württemberg gehen gemeinsam in die Offensive. Sie werben für mehr Kooperation im Mittelstand und dafür, in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft zu kooperieren. Mit 35 neugegründeten Genossenschaften in Baden-Württemberg wurde bereits 2009 ein Rekordstand erreicht.

„Mit unserer Initiative wollen wir den Genossenschaftsgedanken wesentlich stärker als bisher auch bei mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmern, Freiberuflern und Existenzgründerinnen und -gründern verankern und die Zahl der Neugründungen von Genossenschaften in Baden-Württem­berg nachhaltig erhöhen. Gleichzeitig wollen wir junge Genossenschaften wirtschaftlich festigen. Als Wirtschaftsminister verfolge ich damit das Ziel, den Mittelstand im Land insgesamt zu stärken“, betont Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister.

„Ideale Lösung, um das selbstständige Unternehmertum zu erhalten“
Der Genossenschafts-Präsident des Landes Gerhard Roßwog ergänzt: „Ich sehe in der Genossenschaft die ideale Lösung, um das selbstständige Unternehmertum zu erhalten.“ Die eG (eingetragene Genossenschaft) könne drei Unternehmer zusammenführen, aber auch Hunderte von Menschen in einer Kommune, die gemeinschaftlich Solaranlagen installieren oder ihren Dorfladen wiederbeleben wollen. Roßwog stellte vor allem die Chance heraus, gemeinsam etwas zu bewegen. Eintritte und Austritte seien in der Genossenschaft sehr unkompliziert, zum Nominalwert und ohne Notar möglich. Jedes Mitglied habe die gleichen Rechte.

Auf einer Veranstaltung am Montag (25. Januar) im Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit wurde die genossenschaftliche Idee zum Anfassen geboten. Rund 150 Unternehmer, Betriebsberater in Handwerk, Industrie und Handel, Steuerberater und freiberufliche Unternehmensberater sowie Firmenkundenberater von Banken informierten sich, welche Vorteile die Rechtsform der „eG“ hat und wie eine „eG“ gegründet wird.

Pfister: Kooperationen sind wesentlicher Erfolgsfaktor
„Unter dem Dach der Genossenschaft können die kooperierenden Unternehmen Aufträge bearbeiten, die für den Einzelnen viel zu groß und zu komplex wären“, erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Sie könnten sich auf ihre spezifischen Kompetenzen und besonderen Stärken spezialisieren und dennoch über den Verbund ein umfangreiches Produkt- und Leistungsspektrum anbieten. „Ich bin überzeugt davon, dass Kooperationen – gerade in der Rechtsform Genossenschaft – für viele Mittelständler ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Gestaltung ihrer wirtschaftlichen Zukunft sind“, so der Minister.

Drei junge Genossenschaften zum Anfassen
Drei neugegründete Genossenschaften machten erlebbar, wie in der Genossenschaft Eigeninitiative und Selbstverantwortung gelebt werden können. Gerade erst 2009 gegründet ist die Genossenschaft Aktives Reisebüro Netzwerk eG, Gottmadingen, Kreis Konstanz. Inhabergeführte Reisebüros haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Vertriebsplattform im Internet zu betreiben. Was die Genossenschaft so attraktiv macht, ist ihre Strategie: Jedes Mitglied gibt in den Internet-Auftritt www.aktives-reisebuero.de Reisen aus seinem Angebot ein. Damit kann die Genossenschaft die Nachteile kleinerer Reiseveranstalter mit beschränktem Angebot überwinden und ein Vielfaches an Reisen anbieten.

Die OSADL eG aus Schopfloch im Schwarzwald, die 2006 gegründet wurde, versorgt die Automatisierungsindustrie auf dem ganzen Planeten mit Software. Die 30 Mitgliedsfirmen und deren Konzerne repräsentieren einen Gesamtumsatz von über 100 Milliarden Euro und beschäftigen weit mehr als 100.000 Mitarbeiter. Auch Weltunternehmen wie ABB, Intel oder Roche profitieren global von den Vorteilen der Mitgliedschaft in der Genossenschaft aus dem Schwarzwald.

The seed eG aus Weil am Rhein wurde 2006 gegründet. Die Genossenschaft ist ein neuartiges Netzwerk selbstständiger Kreativer: die moderne Form der Produktivgenossenschaft im Internet-Zeitalter. Grafikdesigner, Multimedia-Spezialisten und Marketingexperten haben sich in der Genossenschaft zusammengefunden und sich eine gemeinsame Infrastruktur geschaffen. Gearbeitet wird in den eigenen Räumlichkeiten im Kulturzentrum Kesselhaus in Weil am Rhein.

So werden neue Genossenschaften ab 2010 gefördert
Teil der Genossenschaftsinitiative sind verbesserte Fördermöglichkeiten bei der Neugründung von Genossenschaften. Ab 2010 fördern der Baden-Würt­tembergische Genossenschaftsverband (BWGV) und das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg neue Genossenschaften umfassend – in der Gründungsphase und in der Startphase.

So begleiten und beraten Betriebswirte, Steuerberater und Juristen des Genossenschaftsverbandes Gründungswillige von der ersten Idee bis zur Gründungsprüfung. Für die Gründungsprüfung und -beratung wird ab 2010 vom BWGV nur noch eine Pauschale in Höhe von 1.500 Euro (zzgl. MwSt.) erhoben. Diese wird vom Wirtschaftsministerium durch einen Zuschuss über den BWGV um 750 Euro verbilligt. Auch in der dreijährigen Startphase gibt es für die jungen Genossenschaften kostenlose oder verbilligte Beratungs- und Prüfungsleistungen. Nahversorgungsgenossenschaften wie Dorfläden erhalten sogar fünf Jahre lang Unterstützung bei den Kosten der Prüfungen. Einen Überblick über die Förderleistungen gibt es im Internet unter www.bwgv-info.de und in der Broschüre „Zukunft durch Kooperation“, die das Wirtschaftsministerium und der Genossenschaftsverband zu der Genossenschaftsinitiative herausgeben.

Lesetipp: Zukunft durch Kooperation. Die Broschüre zur Informationskampagne kann hier bestellt werden.

Fotos aus den drei Genossenschaften in Druckqualität zum Download finden Sie hier.

 

Ihr Ansprechpartner beim Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

Christine Baisch, Pressereferentin
Theodor-Heuss-Str. 4, 70174 Stuttgart
Fon 0711 123-27 68  E-Mail: christine.baisch@wm.bwl.de

Ihr Ansprechpartner beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband e.V.

Reinhard Bock-Müller, Pressesprecher
Heilbronner Straße 41, 70191 Stuttgart
Fon 0711 222 13-27 70  E-Mail: reinhard.bock-mueller@bwgv-info.de

25. Januar 2010