Stuttgart. Mit einer gemeinsamen Genossenschaftsinitiative wollen das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband in das Jahr 2010 starten. Dies kündigten Wirtschaftsminister Ernst Pfister und BWGV-Präsident Gerhard Roßwog jetzt im Stuttgarter GENO-Haus an. Es gehe darum, die Kooperation – vor allem von Unternehmen, aber auch von Bürgern – in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft zu unterstützen. Dazu gibt es neue Förderleistungen für junge Genossenschaften ab 2010.
Junge Genossenschaften aus Baden-Württemberg versorgen die Automatisierungsindustrie auf dem ganzen Planeten mit Software, sie vertreiben gemeinsam Reisen im Internet oder sie bringen selbstständige Grafikdesigner und Multimedia-Spezialisten zu einem Team zusammen, das die Angebotspalette einer großen Agentur abdeckt. Die gemeinsame Pressekonferenz von Wirtschaftsministerium und Genossenschaftsverband machte die große Vielfalt sichtbar, für die die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft geeignet ist. Vertreter junger Genossenschaften stellen vor allem die Chance heraus, gemeinsam etwas zu bewegen. Sie loben, dass Eintritte und Austritte sehr unkompliziert sind, zum Nominalwert und ohne Notar. Jedes Mitglied hat die gleichen Rechte, unabhängig von seiner Größe.
Pfister: Zahl der Neugründungen nachhaltig erhöhen
Wie Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister betonte, biete die Rechtsform der Genossenschaft vor allem für Kooperationen von mittelständischen Unternehmen wesentliche Vorteile: Pfister: „Sie ermöglicht es, die Größenvorteile eines Verbundes zu nutzen und gleichzeitig die unternehmerische Selbständigkeit zu bewahren.“ Vorteile ergäben sich nicht nur für den gemeinsamen Einkauf oder die gemeinsame Produktvermarktung. Vielmehr eigne sich die Genossenschaft grundsätzlich für alle Teile der Wertschöpfungskette, also um Beispiel auch für die Produktion oder für Forschung und Entwicklung. Wie eine Art virtueller Konzern könnten die kooperierenden Unternehmen gemeinsam Aufträge annehmen, die für den Einzelnen viel zu groß oder zu komplex wären, und sich gleichzeitig auf ihre besonderen Stärken spezialisieren.
Pfister: „Es lohnt sich also, auf die Genossenschaft als eine für den Mittelstand interessante Rechtsform aufmerksam zu machen. Mit unserer Initiative wollen wir die Zahl der Neugründungen von Genossenschaften in Baden-Württemberg nachhaltig erhöhen und gleichzeitig junge Genossenschaften wirtschaftlich festigen. Als Wirtschaftsminister verfolge ich damit das Ziel, den Mittelstand im Land insgesamt zu stärken.“
Roßwog: Bereits 29 neue Genossenschaften im Jahr 2009
Genossenschafts-Präsident Gerhard Roßwog berichtete von einem großen Interesse an der genossenschaftlichen Idee, wie es der Verband vor wenigen Jahren noch nicht für möglich gehalten hätte. „Wir konnten im Jahr 2008 in Baden-Württemberg 18 neugegründete Genossenschaften in unserem Verband begrüßen; das haben wir schon als ordentlich viel empfunden. Die Entwicklung 2009 stellt das Vorjahr noch weit in den Schatten. Aktuell haben wir 29 neue Mitglieder aufgenommen. Aus diesem großen Interesse wollen wir einen lange anhaltenden Aufschwung machen. Ich sehe in der Genossenschaft geradezu die ideale Lösung, um das selbstständige Unternehmertum zu erhalten.“
Die eG (eingetragene Genossenschaft) könne drei Unternehmer zusammenführen, aber auch Hunderte von Menschen in einer Kommune, die gemeinschaftlich Solaranlagen installieren oder ihren Dorfladen wiederbeleben wollen. Immer heiße der genossenschaftliche Grundgedanke: „Wir bündeln unsere Kräfte, um gemeinsam etwas zu bewegen, als Hilfe zur Selbsthilfe, um selbstbestimmtes Handeln zu ermöglichen.“ Dabei sei die Willensbildung demokratisch wie bei keiner anderen Rechtsform.
So werden neue Genossenschaften ab 2010 gefördert
Ab 2010 fördern der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband und das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg neue Genossenschaften umfassend – in der Gründungsphase und in der Startphase. Dies kündigten Wirtschaftsminister Ernst Pfister und BWGV-Präsident Gerhard Roßwog jetzt vor der Presse an.
So begleiten und beraten Betriebswirte, Steuerberater und Juristen des Genossenschaftsverbandes Gründungswillige von der ersten Idee bis zur Gründungsprüfung. Für die Gründungsprüfung und -beratung wird ab 2010 vom BWGV nur noch eine Pauschale in Höhe von 1.500 Euro (zzgl. MwSt.) erhoben. Diese wird vom Wirtschaftsministerium durch einen Zuschuss über den BWGV um 750 Euro verbilligt. Auch in der dreijährigen Startphase gibt es für die jungen Genossenschaften kostenlose oder verbilligte Beratungs- und Prüfungsleistungen. Nahversorgungsgenossenschaften wie Dorfläden erhalten sogar fünf Jahre lang Unterstützung bei den Kosten der Prüfungen. Einen Überblick über die Förderleistungen gibt es im Internet unter www.bwgv-info.de und in der Broschüre „Zukunft durch Kooperation“, die Wirtschaftsministerium und Genossenschaftsverband zu der Genossenschaftsinitiative herausgeben.
Die Informationskampagne 2010
Mit einer Informationskampagne in ganz Baden-Württemberg wollen Genossenschaftsverband und Wirtschaftsministerium die Genossenschaftsinitiative in die Breite tragen und zusätzliches Interesse an der „eingetragenen Genossenschaft“ wecken. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Unternehmer, die sich mit den Chancen einer Kooperation vertraut machen wollen, an Betriebsberater in Handwerk, Industrie und Handel, an Steuerberater und andere freiberufliche Unternehmensberater, an Firmenkundenberater in den Volksbanken und Raiffeisenbanken, an die Hochschulen.
Zur Auftaktveranstaltung am Montag, 25. Januar in Mannheim kommen Wirtschaftsminister Ernst Pfister und der oberste Wirtschaftsweise Prof. Dr. Wolfgang Franz, Mannheim. Weitere Veranstaltungen zur Genossenschaftsinitiative finden am Mittwoch, 3. Februar in Heilbronn, am Dienstag, 2. März in Stuttgart, am Mittwoch, 14. April in Weingarten, am Mittwoch, 5. Mai in Ulm und am Montag, 14. Juni in Freiburg statt.
23. November 2009

