Die baden-württembergischen Volksbanken und Raiffeisenbanken haben sich im vergangenen Jahr hervorragend behauptet. Dabei war 2008 das schlimmste Bankenjahr der Nachkriegsgeschichte. Dies betonte Gerhard Roßwog, Präsident des neugegründeten Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV) auf der ersten Pressekonferenz des Verbandes. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg konnten sich im Jahr 2008 über Bestandszuwächse freuen, die die Vorjahre weit übertrafen. So kletterten die Kundenkredite um 2,8 %, die Kundeneinlagen um 4,8 % und die Bilanzsumme gar um 6,4 %. „Treibende Kraft waren die Finanzkrise und unser Geschäftsmodell.“ Die Krise belastete zwar auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken, aber mit einem Betriebsergebnis nach Risiko von plus 377 Mio. Euro „bleiben wir gute Steuerzahler“, so Roßwog.
Erstmals haben sich am Freitag der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband und sein Präsident Gerhard Roßwog auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt. „Der Baden-Württembergi¬schen Genossenschaftsverband bündelt die genossenschaftliche Kräfte im Südwesten“, unterstrich Roßwog. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg haben zusammen 3.275.363 Mitglieder. „Jeder dritte Einwohner in unserem Bundesland ist Mitglied einer genossenschaftlichen Bank.“ Die 242 Volksbanken und Raiffeisenbanken, die 24.283 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, vereinen eine Bilanzsumme von 121 Mrd. Euro auf sich und betreuen Kundengelder von zusammen 223 Mrd. Euro. Hierin eingeschlossen sind außerbilanzielle Kundengelder wie Wertpapieranlagen oder Bauspardarlehen.
„Liquidität und Eigenkapital sind reichlich vorhanden“
Die Geschäftsentwicklung der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg sei von der Finanzkrise nachhaltig geprägt worden, unterstrich der BWGV-Präsident. 2008 habe sich weltweit als das schlimmste Bankenjahr der Nachkriegsgeschichte gezeigt, das die Strukturen der gesamten Finanzdienstleistungsbranche und ihr Verhältnis zum Staat grundlegend verändert. „Wir sind stolz darauf, dass sich das Geschäftsmodell der Volksbanken Raiffeisenbanken in diesem weltwirtschaftlichen Orkan so hervorragend als nachhaltiges Geschäftsmodell bewährt“, unterstrich Roßwog. Dies liege daran, dass die genossenschaftlichen Banken reichlich von dem haben, was jetzt auf der Welt Mangelware ist:
Liquidität und Eigenkapital.
Mehr Liquidität durch hohen Geldzufluss im Oktober
Dank der Finanzkrise hat sich die Liquiditätslage der Volksbanken Raiff¬eisenbanken im Jahr 2008 sogar noch um 16 % auf über 22 Mrd. Euro verbessert. Maßgeblich dafür war das Plus bei den Kundeneinlagen von 4,8 % oder gut 4 Mrd. Euro auf 88,7 Mrd. Euro. „Der Zuwachs in dieser Höhe ist vor allem auf einen massiven Zufluss von Kundengeldern im Oktober zurückzuführen, als die Vertrauenskrise mit der Lehman-Insolvenz und dem Scheitern der Hypo Real Estate ihren Höhepunkt erreichte“, erklärte Roßwog. Die Zuwächse auf der Passivseite der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg konzentrierten sich auf Geldmarktkonten (+ 7,3 % auf 29,6 Mrd. Euro) und vor allem auf Termineinlagen (+ 28,5 % auf 24,4 Mrd. Euro).
Bilanzsumme kletterte durch Tendergeschäfte überdurchschnittlich
Ergänzend wies Roßwog darauf hin, dass sich die Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg auch an der Liquiditätsversorgung des deutschen Finanzsystems aktiv beteiligt haben. Sie haben sich in Form von Tendergeschäften zusätzliche Liquidität bei der Europäischen Zentralbank beschafft und diese über die DZ Bank AG in den internationalen Geldmarkt geschleust. „Dies war nur möglich, weil unsere Gruppe der EZB die geforderten werthaltigen Sicherheiten zur Verfügung stellen konnte, was auf dem Markt nicht selbstverständlich war“, unterstrich Roßwog.
Die Tendergeschäfte haben dazu geführt, dass die Bilanzsumme der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg stärker gewachsen ist als das Kundengeschäft, eine für die Genossenschaftsbanken untypische Entwicklung. Sie kletterte um 6,4 % oder 7,3 Mrd. Euro auf 121,2 Mrd. Euro. „Die Tendergeschäfte haben natürlich unsere Ertragslage verbessert, aber die Zinsspanne verschlechtert.“
Auch Eigenkapital ist reichlich vorhanden
Nicht nur Liquidität, auch Eigenkapital ist bei den Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg reichlich vorhanden, unterstrich Roßwog. Er stellte heraus, dass die genossenschaftliche Gruppe 2008 kein Eigenkapital vernichtet, sondern weiteres aufgebaut hat. So nahmen die Eigenmittel um 1,9 % auf fast 9,5 Mrd. Euro zu. Vor allem das Kernkapital wurde gestärkt, während nachrangige Verbindlichkeiten und Genussrechtskapital weiter abgebaut wurden. Die Eigenkapitalkennziffer nach der neuen Solvabilitätsverordnung beträgt bei den Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg 14,7 %, von der Bankenaufsicht gefordert werden 8 %.
Solide Ertragslage: „Wir bleiben gute Steuerzahler!“
Möglich wurde die gute Entwicklung beim Eigenkapital durch eine solide Ertragslage der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg. „Wir brauchen keinen Schirm, wir belasten den Landes- oder den Bundeshaushalt nicht“, stellte der BWGV-Präsident heraus, „wir bleiben gute Steuerzahler.“
Gleichwohl sei die Ertragslage der Volksbanken Raiffeisenbanken von der Finanzkrise nachhaltig beeinflusst worden, im operativen Geschäft wie im Bewertungsergebnis. Der Zinsüberschuss ging um 1,8 % auf gut 2,3 Mrd. Euro zurück, im Wesentlichen bedingt durch höhere Zinsaufwendungen. Durch die Entwicklung an den Börsen verminderte sich der Provisionsüberschuss um 2,4 % auf 840 Mio. Euro. Gleichzeitig konnten die Verwaltungskosten auf 2,4 Mrd. Euro (- 0,7 %) zurückgeführt werden. Im operativen Geschäft wurde damit ein Betriebsergebnis vor Risiko von 852 Mio. Euro (- 4,1 %) erzielt. Dies entspricht 0,73 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme.
Der Risikoaufwand wurde gegenüber dem Vorjahr erhöht. Für Kreditrisiken bei Kunden waren 2008 keinerlei Vorsorgeaufwendungen erforderlich, „sicher ein einmaliges Ereignis“. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten waren aber auch bei den Volksbanken Raiffeisenbanken Korrekturen bei den Wertpapieranlagen erforderlich. „Wir setzen darauf, dass alle erkennbaren Risiken in den Bilanzen 2008 konsequent abgearbeitet werden“, unterstrich Roßwog, „auch wenn das im Einzelfall weh tun mag.“ Lehman-, Island- oder Subprime-Papiere, bei denen Wertverluste realisiert werden müssen, seien bei den Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg jedoch dünn gesät. Sie sind gegenüber dem Gesamtbestand der Eigenanlagen zu vernachlässigen. Aufgrund der Risikovorsorge ging das Betriebsergebnis um 34 % auf 377 Mio. Euro zurück. Der Fiskus dürfe sich nach einer ersten Berechnung über eine Steuerzahlung von rund 120 Mio. Euro aus dem Jahresergebnis 2008 der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg freuen, sagte Roßwog.
Aktiv im Kreditgeschäft: „Kreditklemme ist bei uns ein Fremdwort“
Die gute Liquiditätsausstattung und die Stärke im Eigenkapital geben den Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg geschäftspolitischen Spielraum, unterstrich Roßwog. „Deshalb ist Kreditklemme für die Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken ein Fremdwort; der inflationäre Umgang mit diesem Begriff ärgert uns.“
So haben die Kundenforderungen der Volksbanken Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg im Jahr 2008 um 1,6 % zugenommen, einschließlich der wieder stark nachgefragten Bürgschaften legte das Kundenkreditvolumen sogar um 2,8 % zu. „Wir finanzieren damit Investitionen von über 71 Mrd. Euro“, unterstrich Roßwog. Der Zuwachs 2008 entfiel nahezu ausschließlich auf das Firmenkundengeschäft. „Das belegt: Bei uns gibt es auch in der Finanzkrise Kredit.“ Das werde auch so bleiben.
„Das Geschäftsmodell ist unsere Stärke“
Gute Liquiditätsausstattung, die Stärke im Eigenkapital und die solide Ertragslage sind Ausdruck des Geschäftsmodelles der Volksbanken
Raiffeisenbanken, resümierte Roßwog. „Volksbanken Raiffeisenbanken stehen im Dienste der Realwirtschaft, sie sind konsequent auf das Geschäft mit ihren Mitgliedern und Kunden in ihrem Geschäftsgebiet ausgerichtet. Daraus resultiere eine Refinanzierung der Volksbanken Raiffeisenbanken aus vielen kleinteiligen Kundenanlagen, die 73 % der Bilanzsumme ausmachen. Mit diesen Einlagen finanzieren die Volksbanken Raiffeisenbanken eine Vielfalt von Investitionen in der Region, deren Risiko sie aufgrund der Nähe zu den Kunden zuverlässig beurteilen können“, erläuterte der BWGV-Präsident.
Forderungen zur Finanzkrise (I): Zum SoFFin
„Den Blick auf das Wesentliche, nämlich den Blick auf das Geschäftsmodell, vermissen wir bisher an der Arbeit des SoFFin (Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung)“, kritisierte Roßwog. „Eine Reihe großer Banken steht vor einem Totalschaden, ohne die SoFFin hätten wir auch in Deutschland schon die erste Insolvenz. Wir stehen selbstverständlich voll und ganz hinter dem Rettungsschirm, weil er dem deutschen Finanzsystem und der deutschen Wirtschaft insgesamt nutzt, aber wir akzeptieren es nicht länger, dass sich die Welt in diesen Banken weiterdreht wie bisher. Es ist inakzeptabel, dass mit Steuergeldern gescheiterte Geschäftsmodelle künstlich am Leben gehalten und neue Risiken produziert werden. Dies geht zu Lasten der Volksbanken Raiffeisenbanken, die diese Steuern nach wie vor mit erwirtschaften. Ich rufe die SoFFin auf, bei allen Banken, die staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, die Geschäftsmodelle zu überprüfen und konkrete Sanierungskonzepte zu vereinbaren.“
Durch Auflagen müsse sichergestellt werden, dass sich die Garantienehmer auf die Gesundung ihrer Strukturen konzentrieren und Unternehmensziele und Verantwortlichkeiten neu ordnen. „Es darf nicht sein, dass sich Institute unter den staatlichen Regenschirm flüchten und dann mit Kampfkonditionen den Wettbewerb verfälschen.“
Auch das Land Baden-Württemberg sei gefordert, die Diskussion über die geschäftspolitische Zukunft der LBBW unter der Maßgabe der Wettbewerbsneutralität zu führen. „Wir werden ein waches Auge auf die Maßnahmen des Landes haben und scheuen auch den Schritt nach Brüssel nicht.“
Auch zur Finanzierung von Autobanken durch den SoFFin fand Roßwog harsche Worte der Kritik: „Das ist ein Fehlgriff, eine klare Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Volksbanken und Raiffeisenbanken.“ Die Autobanken seien lediglich Absatzförderer der Autoindustrie, die nicht mit der Stabilisierung der Finanzmärkte in Verbindung gebracht werden dürften. „Sie sind für das Finanzsystem entbehrlich.“ Wenn die Bundesregierung industriepolitische Schritte zu Gunsten der Autoindustrie für angebracht halte, dürften diese nicht zu Lasten des Bankenwettbewerbes gehen.
Kernproblem der Finanzkrise sei nach wie vor, betonte Roßwog, dass die Risiken innerhalb und außerhalb der Bankbilanzen nach wie vor nicht ausreichend transparent gemacht werden. „Eine Analysekatastrophe. Sie schürt Misstrauen und belastet die Neuausrichtung.“
Forderungen zur Finanzkrise (II): Die Rechnungslegungsnormen müssen auf den Prüfstand
„Die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS haben in der Finanzkrise versagt“, unterstrich Roßwog, „sie müssen vom Grunde her auf den Prüfstand, und zwar weltweit.“ Die Fair-Value-Bewertung vor allem bei finanziellen Vermögenswerten sei eine Ursache und ein wesentlicher Brandbeschleuniger der Finanzkrise. „Fair Value bedeutet, dass Vermögenswerte von Quartalsbilanz zu Quartalsbilanz dem aktuellen Marktwert angepasst werden müssen. Laxe Bilanzierungsmethoden führen in der Hausse dazu, dass immer mehr Gewinne ausgewiesen werden, auch wenn sie nur auf dem Papier stehen. Solche Scheingewinne waren eine wesentliche Ursache dafür, dass große Banken mit verbrieften Krediten und anderen strukturierten Anlagen ein immer größeres Rad drehen konnten", kritisierte Roßwog. In der Krise haben die IFRS die Abwärtsspirale beschleunigt. Scheinvermögen musste abgewertet werden, gewaltige Verluste in den Bankbilanzen ließen sprunghaft Eigenkapitalbedarf entstehen und trafen das Vertrauen in die Finanzsysteme ins Mark.
Diese Kritik werde durch die Jahresabschlüsse 2008 nachhaltig belegt. „Unvorstellbare Verlustausweise von bis zu 60 Milliarden Dollar in einem Quartal und gravierende Abweichungen zwischen IFRS-Bilanzen und HGB-Bilanzen machen deutlich, dass die IFRS weder den Unternehmen noch den Investoren einen Halt geben.“
„Wir müssen althergebrachte Grundsätze der Bilanzierung in Kontinentaleuropa, ehrbare Kaufmannsregeln, wieder international salonfähig machen. Es geht um Substanzerhaltung, um den Sicherheitspuffer von stillen Reserven, um Zukunftssicherung.“ Es müsse jetzt Schluss sein mit der einseitigen Ausrichtung der Unternehmen an den Renditeinteressen der Kapitalgeber, wie sie die IFRS erzwingen. Nur ein nachhaltiges Wirtschaften führe zu sicheren Kunden- und Lieferantenbeziehungen, zu Arbeitsplatzsicherheit, zu verlässlichen Verhältnissen zwischen Unternehmen und Gläubigerbank sowie zu Steuereinnahmen. „Es wird Zeit, dass die Politik in Deutschland und Europa dies zur Kenntnis nimmt und auch danach handelt.“
Forderungen zur Finanzkrise (III): Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung – Basel II
Mit den Eigenkapitalanforderungen von Basel II kommen die Volksbanken und Raiffeisenbanken sehr gut zurecht, für sie besteht kein Handlungsbedarf. Dies hat Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, betont. Mit 4 Prozent Kernkapital und 8 Prozent Eigenmitteln insgesamt, gemessen an den gewichteten Risiko-Aktiva, seien die Risiken aus dem Geschäftsbetrieb einer Volksbank oder Raiffeisenbank angemessen abgesichert. „10 Prozent Kernkapital zu fordern, ist ein Unsinn. Die Probleme müssen an einer anderen Stelle gelöst werden.“
Wesentlich sei es, den risiko-orientierten Ansatz von Basel II ernst zu nehmen, Basel II endlich zu leben. „Es muss ein Tabu sein, Risiken außerhalb der Bilanz aufzubauen und sie nicht mit Eigenkapital abzusichern“, verlangte Roßwog. Er wies ferner darauf hin, dass die Bankenaufsicht nach der Säule II von Basel II schon bisher die Möglichkeit hatte, bei besonders risikoreichen Geschäften höhere Eigenkapitalquoten bei einzelnen Banken zu verlangen.
Basel II zu leben, heiße natürlich auch, einen Eigenkapitalpuffer zu haben, betonte Roßwog, und verwies auf die Eigenkapitalausstattung der Volksbanken und Raiffeisenbanken, die traditionell die geforderten Grenzwerte deutlich überschreitet. „Wir schneidern unsere Eigenkapitalausstattung nicht auf Kante. Es war und ist eine klare Fehlsteuerung, Banken mit überzogenen Eigenkapitalrenditen führen zu wollen. Dies verleitet dazu, das Eigenkapital zu minimieren, und die Bilanz zu schönen, indem Risiken außerhalb versteckt werden.“ Und es treibe eine Bank in risikoreiche Geschäfte, sagte Roßwog. „Mit der Finanzierung eines Mittelständlers ist keine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent nachhaltig zu erwirtschaften.“
Der Weg zum Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband
Die Mitglieder des Badischen und des Württembergischen Genossenschaftsverbandes haben am 23. Oktober 2008 die Verschmelzung der beiden Verbände auf der Grundlage der Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2008 beschlossen. Diese Jahresabschlüsse sind von den letzten Verbandstagen der beiden Verbände in dieser Woche beschlossen worden, sodass der Antrag auf Eintragung der Fusion beim Vereinsregister jetzt gestellt werden konnte. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband ist seit 23. Oktober ein Verein in Gründung, erst mit der Eintragung ins Vereinsregister wird der BWGV eine eigenständige Rechtspersönlichkeit und die beiden Altverbände erlöschen.
Bereits zum Jahresanfang hat sich der BWGV in seinen neuen Organisationseinheiten aufgestellt, alle Führungspositionen wurden zwischenzeitlich besetzt. Der abschließende organisatorische Schritt wird die Einführung der gemeinsamen IT-Plattform für die beiden Hauptstellen in Karlsruhe und Stuttgart sowie die Akademiestandorte in Karlsruhe-Rüppurr und Stuttgart-Hohenheim sein und insbesondere die Zusammenführung der Mitarbeiter innerhalb ihrer Abteilungen, die auf jeweils einen Standort konzentriert werden. Dies soll schwerpunktmäßig im 2. Quartal geschehen. Die Abteilung Kommunikation/Interessenvertretung/Veranstaltungen (KIV) wird in Stuttgart zusammengefasst. Mit der Verbandszeitschrift Geno Graph und dem Internetauftritt www.bwgv-info, dessen Relaunch in Kürze abgeschlossen wird, ist die Kommunikation bereits ganz in Baden-Württemberg „angekommen“.
Den Weg „Europa“ weitergehen
Der Weg, die Staaten des Euroraumes zu integrieren, muss konsequent weiterverfolgt werden. Dies betonte der scheidende Präsident des Württembergischen Genossenschaftsverbandes, Erwin Kuhn, anlässlich der Pressekonferenz. Kuhn wird zum Ende des Monats nach 15 Jahren an der Spitze des GENO-Verbandes in den Ruhestand treten.
Kuhn erinnerte an die lange Vorgeschichte, an den langen Atem, der erforderlich war, um 1992 den Vertrag von Maastricht unterzeichnen zu können. Seit Anfang des Jahres, zehn Jahre nach dem Übergang in die „Dritte Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion“, wird in 16 EU-Staaten mit über 320 Millionen Einwohnern mit dem Euro bezahlt.
„Der Euro ist Garant für Preisstabilität und Wohlstand“, unterstrich Kuhn. Er habe verhindert, dass Europa durch die Finanzkrise auseinanderbricht.
Die Krise werde die dezentralen Bankenstrukturen stärken, ist Kuhn überzeugt. „Mega-Fusionen lösen die Probleme im Finanzsystem nicht, sie sind die Quellen neuer Risiken.“ Die Systeme, die in ihren Werten an den Menschen anknüpfen, werden sich als belastbarer erweisen.
Kuhn sieht die genossenschaftliche Bankengruppe in Europa auf gutem Wege. In der European Association of Co-Operative Banks (EACB) sind 4.412 genossenschaftliche Banken im Europa der 27 zusammengeschlossen. Sie werden von 45.553.373 Mitgliedern getragen und vereinen eine Bilanzsumme von 4.622 Milliarden Euro auf sich. „Unser Ziel muss es sein, die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Organisationen weiter voranzutreiben und unser Gewicht stärker in die Waagschale der europäischen Gesetzgebung einzubringen“, unterstrich Kuhn.
06. März 2009

