Der Musikwissenschaftler, Alt-Kantor, Theologe und Soziologe Clytus Gottwald ist Hauptpreisträger des Kulturpreises Baden-Württemberg 2009. Der 83-jährige wird damit für sein herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet. Den Förderpreis teilen sich mit dem Kinder- und Jugendchor Ulmer Spatzen und der Christophorus Kantorei Altensteig (Kreis Calw) zwei Nachwuchschöre. Der Kulturpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre von der Landesstiftung und den Volksbanken Raiffeisenbanken vergeben. Im Mittelpunkt des diesjährigen Wettbewerbs stand die Chormusik. Die Gewinner erhielten ihre Preise am 16. Juni im Rahmen einer Galaveranstaltung im Stuttgarter Wilhelma-Theater.
Hochspannung herrschte am Dienstag im Stuttgarter Wilhelma-Theater. Rund 100 Kinder und Jugendliche probten den letzten Schliff für ihren abendlichen Auftritt und fieberten der Verleihung des Kulturpreises Baden-Württemberg entgegen. Der Preis, von den Volksbanken Raiffeisenbanken und der Landesstiftung Baden-Württemberg vergeben, wird alle zwei Jahre in verschiedenen Sparten verliehen. 2009 widmete sich der Wettbewerb der Musik und ganz speziell der Chormusik.
Der Vorsitzende des Stiftungsrats, Kunststaatssekretär Dr. Dietrich Birk, gratulierte den Preisträgern. „Baden-Württemberg klingt, swingt und singt. Das vielfältige musikalische Geschehen im Land macht unser aller Leben reicher. Dazu haben die Preisträger mit ihrer Arbeit beigetragen. Unsere Kulturschaffenden brauchen Partner wie die Volksbanken Raiffeisenbanken und die Landesstiftung, die bereit sind, sich für Kunst und Kultur zu engagieren“. Kulturförderung dürfe nicht allein Sache des Staates und der Kommunen sein, sondern müsse von der Breite der Gesellschaft getragen werden.
„Mit Clytus Gottwald und den Nachwuchschören werden Menschen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für die Musik in Baden-Württemberg einsetzen. Es freut uns besonders, dass es der Jury gelungen ist, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen“, betonte Herbert Moser, der Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, bei der Preisübergabe und ergänzte: „Sie machen die Kultur in diesem Land reicher und legen schon in jungen Jahren den Grundstein für Musik und Gemeinschaftlichkeit. Und Sie sehen, der Erfolg kennt keine Altersgrenze.“
„Wir sind stolz auf die reichhaltige, vielfältige Kultur in Baden-Württemberg, sie gehört zu uns, zu unserem Gemeinwesen. Das wird gerade in der Chormusik sichtbar und hörbar.“ Dies betonte Verbandsdirektor Herbert Schindler, Vorstandsmitglied des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, für die Volksbanken und Raiffeisenbanken, die den Kulturpreis zusammen mit der Landesstiftung tragen. Auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken verstehen sich von ihrer Unternehmenskultur her als Teil des Gemeinwesens, weil sie darauf ausgerichtet sind, die einheimische Wirtschaft zu fördern. „Deshalb ist es ein wichtiges Anliegen für die Volksbanken Raiffeisenbanken, das kulturelle Leben im Land zu unterstützen.“
Die feierliche Preisverleihung fand im Stuttgarter Wilhelma-Theater mit rund 200 Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Politik statt. Der nächste Kulturpreis Baden-Württemberg wird 2011 verliehen in der Sparte Neue Medien/Film.
Die im Jahr 2002 gegründete „Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Landesstiftung Baden-Württemberg“ vergibt den Preis alle zwei Jahre im thematischen Wechsel. Er ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert und teilt sich grundsätzlich in einen Haupt- und einen Förderpreis. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film/Neue Medien, Literatur und Musik. Die Preisträger müssen einen erkennbaren Bezug zum Land Baden-Württemberg aufweisen.
Weitere Informationen unter www.kulturpreis-baden-wuerttemberg.de
Die Landesstiftung Baden-Württemberg setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsma߬nahmen und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Landesstiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.
Weitere Informationen im Internet unter www.landesstiftung-bw.de
Pressekontakt:
Landesstiftung Baden-Württemberg
Iris Berghold
Im Kaisemer 1
70191 Stuttgart
Tel. 0711 248476 16 / Fax: 248476 55
berghold@landesstiftung-bw.de
Der Hauptpreisträger
Clytus Gottwald, Jahrgang 1925, studierte nach der Kriegsgefangenschaft zunächst Gesang und Chorleitung. Es folgte ein Studium der evangelischen Theologie, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen und Frankfurt, wo er 1961 promovierte. Zwischen 1958 und 1970 war Gottwald Kantor an der Paulus-Kirche in Stuttgart, nebenbei gründete er 1960 die Schola Cantorum Stuttgart, ein Ensemble von Berufssängern. Mit diesem Projekt wollte Gottwald die Vereinbarkeit von Neuer Musik und Chormusik wiederherstellen. Der Chor existierte bis 1990 und trat bis dahin weltweit bei allen maßgeblichen Konzerten der Neuen Musik auf. Zwischen 1967 und 1988 war er Redakteur für Neue Musik beim SDR in Stuttgart und absolvierte parallel dazu eine Reihe von Gastdirigaten, unter anderem bei den Radiochören in Paris, Stockholm, Helsinki und Amsterdam. Mehr als 20 Jahre lang, von 1961 bis 2004, arbeitete Clytus Gottwald als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf dem Gebiet der musikalischen Paläographie. Die Jury des Kulturpreises Baden-Württemberg begründete ihre klare Entscheidung, Gottwald zum Träger des Hauptpreises zu küren, mit seinem „herausragenden singulären Lebenswerk“. Das Preisgeld ist mit 20.000 Euro dotiert.
Die Förderpreisträger
Die Christophorus Kantorei ist der Chor des Christophorus-Gymnasiums Altensteig. Das Ensemble wurde 1962 gegründet und umfasst 85 Sängerinnen und Sänger. An Nachwuchs mangelt es nicht, weil die Talente bereits ab der 4. Klasse systematisch gefördert und ab dem Alter von 15 Jahren in die Kantorei integriert werden. Der Chor unter der Leitung von Michael Nonnenmann gibt jährlich rund 40 Konzerte im In- und Ausland und unternimmt jedes Frühjahr eine 14-tägige Tournee. Das Repertoire des Ensembles umfasst eine große Spannbreite geistlicher und weltlicher A-cappella-Musik, die bis dato auf rund zwei Dutzend Schallplatten und CDs aufgenommen wurde. Die Christophorus-Kantorei hat in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte bei der Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben eine Vielzahl von Preisen gewonnen, so zum Beispiel beim Landeschorwettbewerb Baden-Württemberg und beim Festival Internacional de Música in Cantonigròs / Spanien (2005). Die Jury hob „die besondere Breite und Ausstrahlung sowie die beachtliche künstlerische Leistung“ hervor, die die Arbeit der Christophorus-Kantorei charakterisieren.
Der Kinder- und Jugendchor Ulmer Spatzen ist seit seiner Gründung im Jahr 1958 musikalischer Botschafter der Stadt Ulm. Das Ensemble besteht derzeit aus einem Vor- sowie einem Kinder-, Jugend- und Kammerchor. Das Repertoire umfasst Werke von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Chormusik. Gerade in diesem Bereich gelangten zahlreiche, eigens für den Konzertchor komponierte Auftragswerke mit großem Erfolg zur Uraufführung. Neben den erzielten Spitzenleistungen pflegt der Chor unter Leitung von Hans de Gilde in Ergänzung zum schulischen Musikunterreicht eine vorbildliche Breiten- und Nachwuchsarbeit im Vor- und Kinderchor sowie mit der individuellen Stimmbildung. Die Spatzen haben jährlich etwa 50 Auftritte und halten ihre Arbeit regelmäßig auf Tonträgern fest. Nach Ansicht der Jury besticht der Chor durch seine „ehrliche, fröhliche Chorarbeit sowie das große Engagement der Eltern“.
Die Christophorus Kantorei und die Ulmer Spatzen teilen sich das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.
16. Juni 2009



