2008 war ein Boomjahr für Genossenschaften

Bruchsal. Die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Baden-Württemberg blicken auf ein Boomjahr 2008 zurück. Die 566 Genossenschaften aus Dutzenden von Branchen steigerten ihren Umsatz um 8,9 Prozent auf über 8,8 Mrd. Euro. Die Entwicklung war zum Teil von einem starken, organischen Wachstum getrieben, bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften wirkten sich aber auch massive Preissprünge aus. "Wir wären sehr zufrieden damit, diesen Rekordwert 2009 preisbereinigt in etwa zu halten, eine Krisenstimmung bei den Genossenschaften gibt es nicht." Dies betonte Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, auf der ersten Jahrespressekonferenz des neugegründeten Genossenschaftsverbandes für die Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Die Kommunikation der Genossenschaften mit ihren Mitgliedern bekomme in diesen turbulenten Zeiten einen noch höheren Stellenwert.

Der Blick auf 2009
Für großen Pessimismus sieht Roßwog bei den Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Baden-Württemberg bisher keinen Anlass. "Die Konsumbereitschaft der Endverbraucher ist nach wie vor da, auch der Blick auf Qualität. Das stützt die Wirtschaftsentwicklung." Das beste Konjunkturprogramm, das bereits in den Geldbeuteln der Verbraucher angekommen ist, sei der Absturz der Preise für Brenn- und Kraftstoffe. Bereits Anfang 2009 sei die Inflationsrate dadurch auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesunken. Die Verbraucher haben darauf auch schnell reagiert und sich im 4. Quartal angesichts der niedrigen Preise für Heizöl massiv bei den Raiffeisen-Genossenschaften bevorratet. Auch für zahlreiche Lebensmittel müssen die Verbraucher zum Leidwesen der Landwirte weniger bezahlen als im Vorjahr.

Eine schwierigere Situation sei für das 2. Halbjahr zu befürchten, wenn die Existenzängste aufgrund von breit angelegten Entlassungen in der Industrie zunehmen würden. "Wir wissen, dass Baden-Württemberg besonders stark mit der Weltwirtschaft verflochten ist." Eine Konjunkturerholung noch im Jahr 2009 sei nicht zu erwarten, auch 2010 sei bestenfalls mit einem schwachen gesamtwirtschaftlichen Wachstum zu rechnen. Die Genossenschaften müssten sich deshalb darauf einstellen, dass der Vertriebskanal Discount in der Krise an Gewicht gewinnt.

Die Tiefe der Finanzkrise, die von einer Immobilienpreisblase ausgehe, werde noch länger dämpfend auf die Weltwirtschaft wirken. Deshalb sei es wichtig und richtig, mit dem Rückbau der Finanzwirtschaft zu beginnen, wie es die Bundesregierung für die HRE angekündigt hat. "Es ist inakzeptabel, dass mit Steuergeldern gescheiterte Geschäftsmodelle künstlich am Leben gehalten werden", unterstrich Roßwog.

Die landwirtschaftlichen Genossenschaften 2008
"Stabile Preise in der Landwirtschaft gehören der Vergangenheit an." Dies betonte Präsident Gerhard Roßwog zur Geschäftsentwicklung der 451 Raiffeisen-Genossenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Umsatz kletterte um 11,3 Prozent auf über 4,0 Mrd. Euro. 122.966 Landwirte in Baden-Württemberg sind Mitglied einer Genossenschaft (- 0,5 Prozent).

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© BWGV
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"Die Märkte sind extrem volatil geworden, die Preise schwanken binnen weniger Monate enorm." Dies gelte für Getreide oder Düngemittel genauso wie für Milch oder Holz. "Es ist offensichtlich geworden, dass die Spekulation mit Finanzinstrumenten zu diesen Preisschwankungen wesentlich beiträgt", kritisierte der BWGV-Präsident.

Die Milchwirtschaft bewege sich seit dem zweiten Halbjahr im Tal der Tränen, eine Besserung sei nicht in Sicht. Roßwog begrüßte die Bereitschaft des Landes, diejenigen Milcherzeuger zu unterstützen, die in ihre Zukunft investieren. Für die Strukturentwicklung der genossenschaftlichen Milchwerke sieht er weitere Ansatzpunkte vor allem in einer intensiveren Zusammenarbeit im Vertrieb.

Die schnellen Preisschwankungen bedeuten für die landwirtschaftlichen Genossenschaften erhebliche Risiken; die Herausforderungen an die Unternehmenssteuerung seien enorm gewachsen. Was 2007 richtig gewesen sei, habe sich 2008 als falsch erwiesen. "Vorsorge ist auch hier die beste Medizin", sagte Roßwog. Dies lasse der Gesetzgeber aber bisher nicht zu. Roßwog forderte, Rückstellungen für den Ausgleich von Preisschwankungen für einen Zeitraum von drei Jahren steuerlich anzuerkennen. Vorsorgen sei auch volkswirtschaftlich klüger als über Warentermingeschäfte auf die zukünftige Entwicklung zu wetten.

Die gewerblichen Genossenschaften 2008
Die 166 gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, darunter die Bäko Süddeutschland, Ladenburg, als Landeszentrale, haben ein Boomjahr hinter sich. Die Genossenschaften steigerten ihren Umsatz im Jahr 2008 um 7,0 Prozent auf fast 4,8 Mrd. Euro. "Das war ein starkes, organisches Wachstum quer durch alle Branchen und kaum verzerrt von Preissprüngen", unterstrich Präsident Gerhard Roßwog. Die Entwicklung in der Unterhaltungselektronik war glänzend, Sportartikel waren gefragt, die Bäko- und Fleischer-Genossenschaften machten ausgezeichnete Geschäfte.

Auch das Interesse an der Rechtsform der "eingetragenen Genossenschaft" (eG) ist anhaltend groß, freute sich der Genossenschafts-Präsident. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband konnte im Jahr 2008 zusammen 18 junge Genossenschaften als neue Verbandsmitglieder begrüßen. Die Schwerpunkte liegen aktuell bei Ärzte-Genossenschaften und im Energiesektor.

Allgemeine Ware: Spekulation treibt die Preise auf die Achterbahn
Bruchsal, 21. April 2009. Kräftige Mengensteigerungen verbunden mit gewaltigen Preissprüngen, zuerst nach oben, dann nach unten, sorgten bei den Genossenschaften der allgemeinen Warenwirtschaft im Jahr 2008 für einen regelrechten Umsatzboom. Bei einem Plus von 23,9 Prozent kletterte der Umsatz auf über 1,7 Mrd. Euro. Zu dieser Gruppe von Genossenschaften gehören im Wesentlichen die ZG Raiffeisen, Karlsruhe, die Bezugs- und Absatzgenossenschaften (BAGs) sowie die Lagerhausgenossenschaften.Die Genossenschaften konnten angesichts der ordentlichen Ernte deutlich mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse an den Markt bringen und zum Teil auch bei Futter- und Düngemitteln mehr in der Landwirtschaft absetzen. Die Nachfrage nach Landtechnik war gut.

Der besondere Charakter des Jahres rührt aber von den gewaltigen Preissprüngen her. Die im 1. Halbjahr 2008 rapide angestiegenen Energiepreise haben sich nicht nur auf die Umsatzentwicklungen für feste und flüssige Brennstoffe, sondern auch auf die energieabhängigen Bereiche Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ausgewirkt. Im 4. Quartal griffen die Verbraucher bei den niedrigen Preisen für Heizöl zu und bevorrateten sich nach dem Schreck der 150-Dollar-Marke für ein Barrel Öl massiv. Auch die Getreidepreise waren auf Achterbahnkurs. Konnten im März 2008 für Weizen an den Börsen noch Preise von über 260 Euro je Tonne erzielt werden, sackten die Preise während der Vermarktung ab; Ende September lag das Niveau fast 100 Euro niedriger. "Diese Entwicklungen haben mit der Realwirtschaft nur zum Teil zu tun. Es ist offensichtlich geworden, dass die Spekulation mit Finanzinstrumenten zu diesen Preisschwankungen wesentlich beiträgt", kritisierte Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes.

Milch: "Wirtschaftlichkeit auf den Höfen fördern"
Bruchsal, 21. April 2009. Die acht genossenschaftlichen Milchwerke in Baden-Württemberg behaupteten im Jahr 2008 ihren Umsatz mit knapp 1,1 Mrd. Euro (- 0,1 Prozent). Doch hinter dieser scheinbaren Ruhe verbirgt sich eine dramatische Marktentwicklung. "Seit dem zweiten Halbjahr bewegen wir uns im Tal der Tränen", sagte Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, auf der Pressekonferenz des BWGV in Bruchsal. Dadurch mussten die Milchauszahlungspreise für die Landwirte zum Teil von Monat zu Monat abgesenkt werden. Gegenüber dem Hoch im 4. Quartal 2007 von über 40 Cent je Kilogramm Milch bekommen sie im Frühjahr 2009 rund ein Drittel weniger für ihre Leistung.

"Der Milchmarkt ist heute ein offener, globalisierter Markt", betonte Roßwog. Da rund 10 Prozent der Milcherzeugung innerhalb der EU außerhalb Europas verkauft werden müssen, seien die Bewegungen auf dem Weltmarkt auch in Baden-Württemberg intensiv zu spüren. Die Erzeugung sei weltweit im Jahr 2008 wieder gestiegen. Gleichzeitig sei der private Verbrauch, mit Ausnahme von Frischprodukten wie Jogurt und Sahne, rückläufig. Die Wirtschaftskrise dämpft die Nachfrage nach Milcherzeugnissen auch auf dem Weltmarkt. Einen wesentlichen Einfluss hat die Lebensmittelindustrie. Sie habe nach der Preis-Hausse im Jahr 2007 Milcherzeugnisse zum Beispiel in der Pizza oder der Schokolade verstärkt durch billigere pflanzliche Produkte ersetzt.

Hoffnung auf eine Besserung der Situation könne er angesichts dieser Rahmenbedingungen nicht machen, betonte Roßwog. Die Europäische Kommission habe klargemacht, dass es zum Wegfall der Milchquote im Jahr 2015 keine Alternative gibt. Die erzeugte Milchmenge werde dann über marktwirtschaftliche Regeln und damit nicht zuletzt über die Wirtschaftlichkeit der Milchviehbetriebe gesteuert. Roßwog zeigte sich zuversichtlich, dass im Südwesten weiterhin wettbewerbsfähige Milch erzeugt werden kann. Er begrüßte deshalb die Bereitschaft des Landes, diejenigen Milcherzeuger zu unterstützen, die in ihre Zukunft investieren.

Roßwog wies darauf hin, dass die genossenschaftlichen Milchwerke in Baden-Württemberg ihre Struktur in den letzten Jahren durch eine zunehmende Spezialisierung optimiert haben. Deshalb sei der Milchauszahlungspreis, der in Baden-Württemberg für die Landwirte erwirtschaftet wird, im Bundesvergleich nach wie vor gut. Trotzdem bleibe die Strategie- und Strukturentwicklung ein Dauerthema. "Weitere Ansatzpunkte sehe ich vor allem in einer intensiveren Zusammenarbeit im Vertrieb."

Insgesamt wurden im Jahr 2008 von Genossenschaften 1,47 Millionen Tonnen Milch erfasst. Der Rückgang um 2 Prozent ist auf den Milchlieferstreik im Frühsommer zurückzuführen. Der größte Teil der Milch aus dem Land, knapp 40 Prozent, wird zu Käse verarbeitet.

Wein: Genossenschaften machen über eine halbe Milliarde Umsatz - Die Sektkorken knallten
Bruchsal, 21. April 2009. Genau 206 Weingärtner-, Winzer- und Rebenaufbaugenossenschaften, zwei Landeszentralen eingeschlossen, sind Mitglied des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes und stellen damit jedes vierte Verbandsmitglied. Die Weingärtner- und Winzergenossenschaften in Baden-Württemberg haben im Weinwirtschaftsjahr 2007/2008 (31. Juli 2008) ihren Umsatz mit 544 Mio. Euro (+ 0,3 Prozent) behauptet. Dies berichtete Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes.

In Baden-Württemberg wurden im Herbst 2008 fast 185 Millionen Liter Wein in genossenschaftliche Keller eingebracht. In Baden nahm die Erntemenge auf 99,4 Millionen Liter leicht zu. Bei den Winzergenossenschaften wird von einem der besten und aromastärksten Jahrgänge der letzten zehn bis fünfzehn Jahre gesprochen. In Württemberg ging die genossenschaftliche Ernte mit 85,4 Millionen Liter um über 11 Prozent zurück. Die Weingärtnergenossenschaften loben die fruchtigen und eleganten Weine.

Das Gegenteil von Krisenstimmung zeigten die Baden-Württemberger zum Jahresschluss: Sie ließen die Sektkorken knallen wie noch nie. Die badischen Winzergenossenschaften steigerten ihren Sektabsatz im 2. Halbjahr 2008 um 2,9 Prozent auf über 1,4 Millionen Flaschen, die Weingärtnergenossenschaften in Württemberg setzten mit über 460.000 Flaschen in diesem Zeitraum sogar 14 Prozent mehr ab. Der Dezember 2008 war auch bei Wein ein ganz starker Verkaufsmonat, während die Umsätze in den Monaten zuvor abgebröckelt waren.

Für die badischen Winzergenossenschaften stellte Roßwog die 2008 neu gegründete Badische Wein GmbH heraus. In der neuen Gemeinschaftswerbung Badens sitzen Winzergenossenschaften und Weingüter mehrheitlich in einem Boot, um mit freiwillig finanzierten Maßnahmen die Dachmarke "Badischer Wein" bekannter zu machen. Im Mittelpunkt steht der Slogan "Von der Sonne verwöhnt", der unverändert beibehalten wird.

Die württembergischen Weingärtnergenossenschaften wollen ihren Wein-Klassiker Trollinger im Jahr 2009 in den Vordergrund stellen. Sie setzen dabei auf eine neue Generation von Weinliebhabern, die leichte, frische und fruchtige Weine bevorzugt. Das Trollinger-Jahr 2009 wurde auf der Pro Wein mit der Initiative Trollinger2punkt0 gestartet. Erstes Projekt ist der Trollinger Cocktail Contest in Kooperation mit Mixology, dem führenden Fachmagazin für Barkultur.

Obst und Gemüse: Äpfel vom Bodensee waren 2008 der Renner
Bruchsal, 21. April 2009. Frisches Obst, Gemüse und Blumen aus Baden-Württemberg werden von 21 Genossenschaften vermarktet. Sie erzielten im vergangenen Jahr Umsätze von 291 Mio. Euro und damit ein stolzes Plus von 17,9 Prozent, berichtete Gerhard Roßwog, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes.

Der Renner des Jahres 2008 waren Äpfel vom Bodensee. Die Rekordernte 2007 konnte zu Spitzenpreisen vermarktet werden. Dabei profitierten die Apfelerzeuger von Ernteausfällen in den osteuropäischen EU-Ländern, was hervorragende Exportmöglichkeiten zu sehr guten Preisen eröffnete. Aber auch die laufende Kampagne lässt wieder ein gutes Jahr bei Äpfeln erwarten. 2008 gab es Umsatzsteigerungen mit Äpfeln um rund die Hälfte.

In anderen Sonderkulturen musste im Jahr 2008 aufgrund der Wetterverhältnisse ein drastischer Mengenrückgang hingenommen werden. Frostnächte im April und Hagelschläge im Mai dezimierten vor allem die Zwetschgenernte. Baden ist das deutsche Hauptanbaugebiet für Zwetschgen. Ein besonderes Geschmacksversprechen, das sich vor allem an junge Konsumenten richtet, machen die genossenschaftlichen Märkte mit "zwetty", ihrem neuen Vermarktungskonzept für Zwetschgen. Die Premiummarke führt von Juli bis Oktober durch die ganze Saison. 2009 soll der Absatz in diesem Segment deutlich steigen, sagte Gerhard Roßwog.

Viehzentrale Südwest: Qualitätsprogramm bringt deutlichen Mehrwert für die Landwirte
Bruchsal, 21. April 2009. Die Viehzentrale Südwest GmbH, Stuttgart, ist einer der größten genossenschaftlichen Viehvermarkter in Deutschland und der einzige in Baden-Württemberg. Sie hat im Jahr 2008 mit der Vermarktung von Nutz- und Schlachttieren einen Umsatz von 423 Mio. Euro erzielt (+ 8,7 Prozent). Insgesamt hat die VZ-Gruppe fast 3,1 Millionen Nutz- und Schlachttiere für die Landwirte vermarktet (- 0,5 Prozent). Die Vermarktung von Rindern und Schweinen über das Qualitätsprogramm Gutfleisch der Edeka Südwest wurde 2008 weiter ausgebaut und erbrachte einen deutlichen Mehrwert für die Landwirte.

Fast zwei Drittel des Umsatzes werden mit Schweinen und Ferkeln gemacht. Der Stückzahl nach sind es rund 90 Prozent. In der Schweinemast ist die Produktion entgegen den Prognosen nochmals auf ein Rekordniveau gewachsen. Der drastische Anstieg der Futtermittel- und Energiepreise belastete die wirtschaftliche Situation der Schweinemäster und vor allem der Ferkelerzeuger. Nur langsam verbesserte sich die Situation in der zweiten Jahreshälfte. Die Rindfleischproduktion hat entgegen dem Trend der letzten Jahre leicht zugenommen. Vor allem durch bessere Absatzmöglichkeiten in den westlichen Nachbarländern und durch den Export außerhalb der EU, vor allem nach Russland, bewegten sich die Erzeugerpreise deutlich über dem Vorjahresniveau.

Für das Jahr 2009 rechnet die Viehzentrale Südwest mit stabilen Preisen in der Rindermast. Ein Anstieg der Rindfleischproduktion ist nicht mehr zu erwarten. Die VZ geht davon aus, dass der Bestandsabbau in der Schweinehaltung zu einem leicht rückläufigen Schlachtschweineangebot im Jahr 2009 führen wird.

Gewerbliche Ware 2008: Der Handel und das Handwerk florierten
Bruchsal, 21. April 2009. Die 116 gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften im Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband, darunter die Bäko Süddeutschland, Ladenburg, als Landeszentrale, haben ein Boomjahr hinter sich. Die Genossenschaften steigerten ihren Umsatz im Jahr 2008 um 7,0 Prozent auf fast 4,8 Mrd. Euro. "Das war ein starkes, organisches Wachstum quer durch alle Branchen und kaum verzerrt von Preissprüngen", unterstrich Präsident Gerhard Roßwog vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband auf der ersten Jahrespressekonferenz "Warengenossenschaften" des neuen Verbandes. Treiber der Entwicklung war das ausgezeichnete Konsumklima. "Die Verbraucher sind nach wie vor die Stütze der Wirtschaft", unterstrich Roßwog. Natürlich verlaufe die Entwicklung nach diesem
Boom im Jahr 2009 abgeschwächt.

Die Anzahl der Mitglieder der gewerblichen Genossenschaften nahm im Jahr 2008 um 2 Prozent auf 28.207 zu. "Diese Entwicklung verdanken wir fast 1.000 Neumitgliedern bei jungen und neugegründeten Genossenschaften", unterstrich Roßwog. In den klassischen genossenschaftlich organisierten Branchen des Fach-Einzelhandels und des Handwerks nehmen die Mitgliederzahlen durch den Strukturwandel weiterhin ab.

Genossenschaften des Fach-Einzelhandels
Die Euronics Deutschland eG, Ditzingen, war 2008 erneut das Zugpferd. Die größte Warengenossenschaft in Baden-Württemberg verzeichnete sowohl in der Unterhaltungselektronik als auch in der Haustechnik eine glänzende Entwicklung, was ihren Umsatz um 7,4 Prozent auf über
1,6 Mrd. Euro klettern ließ. Auch die zweitgrößte Genossenschaft, die Intersport Deutschland eG, Heilbronn, steigerte ihre Umsätze mit
4,4 Prozent auf 761 Mio. Euro deutlich. Alle 19 Genossenschaften des Fach-Einzelhandels in Baden-Württemberg vereinten einen Umsatz von über 3,4 Mrd. Euro auf sich, ein Zuwachs von 6,5 Prozent.

Die Entwicklung im Handwerk
Die 19 Genossenschaften des Nahrungsmittelhandwerks in Baden-Württemberg verzeichneten im Jahr 2008 mit einem Umsatzplus von 8,5 Prozent auf fast 1,3 Mrd. Euro ebenfalls eine hervorragende Entwicklung. Nach dem bereits stark abgeschwächten 4. Quartal wird für 2009 aber angesichts des Wettbewerbsdruckes ein schwierigeres Jahr erwartet.

In der Bäko-Gruppe spielten im 1. Halbjahr 2008 auch die hohen Getreidepreise eine Rolle. Mit zweistelligen Umsatzzuwächsen ragen bei den Bäckergenossenschaften die Bäko Region Stuttgart, Stuttgart, und die Bäko Südbaden, Freiburg, heraus. Das Bäckerhandwerk verzeichnete im Jahr 2008 aufgrund der zunächst noch anziehenden Konjunktur insgesamt eine höhere Nachfrage und gestiegene Umsätze. Besonders spürten dies Betriebe, die qualitativ und handwerklich hochwertige Produkte anbieten. Die fünf Bäko-Genossenschaften im Land setzten zusammen 438 Mio. Euro (+ 7,9 Prozent) um (ohne Landeszentrale). Auch die Fleischer-Einkaufsgenossenschaften verbuchten nach der Stagnation im Vorjahr eine sehr gute Entwicklung. Sie steigerten ihren Umsatz um 5,8 Prozent auf gut 206 Mio. Euro. Überdurchschnittlich entwickelte sich das Fleischgeschäft.

Die weiteren Handwerkergenossenschaften, die gemessen am Umsatz überwiegend im Bauhandwerk sowie artverwandten Branchen tätig sind, erfreuten sich ebenfalls einer regen Nachfrage. Ihr Umsatz kletterte um 6,2 Prozent auf 434 Mio. Euro. Die stärksten Zuwächse in dieser Gruppe konnten die Hagos Verbund deutscher Kachelofen- und Luftheizungsbauerbetriebe, Stuttgart, (+ 11, 5 Prozent auf 99 Mio. Euro) und die Ortheg Einkaufsgenossenschaft für Orthopädie-Technik, Laupheim (+ 10,0 Prozent auf 58 Mio. Euro) auf sich vereinen.

Weitere Genossenschaften
Die Mehrzahl der gewerblichen Genossenschaften in Baden-Württem¬berg entfällt mit 66 auf eine große Vielfalt von Dienstleistungs- und sonstigen Genossenschaften, die zusammen 286 Mio. Euro umsetzen. Unter ihnen hat nach dem Umsatz die Fiducia Mailing Services eG, Karlsruhe, eine bedeutende Rolle. Sie übernimmt Logistikaufgaben der Post und erhält dafür Rabatte von der Post. Die junge Genossenschaft verzeichnete mit 29,3 Prozent das stärkste Wachstum der gesamten Gruppe und sprang mit ihrem Umsatz auf 104 Mio. Euro.

Weiterhin großes Interesse an der Rechtsform eG
"Ich freue mich, dass das Interesse an der Rechtsform der ,eingetragenen Genossenschaft' (eG) anhaltend groß ist", unterstrich der Genossenschafts-Präsident. "Der Selbsthilfegedanke wird in der Krise weiter an Gewicht gewinnen", ist Roßwog überzeugt. Die Rechtsform sei auch für neue Formen der Kooperation im Mittelstand, auch in der mittelständischen Industrie, prädestiniert.

Sowohl die Anfragen als auch die tatsächlich zur Gründung und Eintragung gebrachten Genossenschaften nahmen an Zahl zu. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband konnte im Jahr 2008 zusammen 18 junge Genossenschaften als neue Verbandsmitglieder begrüßen.

Die Schwerpunkte liegen aktuell bei Ärzte-Genossenschaften und im Energiesektor. Bei einigen Energie-Genossenschaften ist die EnBW mit im Boot. "Auch das Thema Dorfladen bleibt aktuell." Im landwirtschaftlichen Bereich werden wieder Genossenschaften neu gegründet: Waldgenossenschaften und eine Maschinengemeinschaft von Zuckerrübenanbauern. Roßwog erinnerte daran, dass die Euronics gerade erst 40 Jahre alt ist und heute nach den Filialisten Platz 2 auf dem deutschen Markt für Konsumelektronik einnimmt.

21. April 2009

 
 

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Reinhard Bock-Müller Pressesprecher
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