Genossenschaften in Württemberg
Die Schulze-Delitzsch-Wurzel
Der Genossenschaftsgedanke hat sich in Württemberg zunächst verhalten verbreitet, sowohl in den Städten wie auf dem Land. Anfang der 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland zwar bereits rund 700 Vorschuss- und Kreditvereine, aber erst ein gutes Dutzend in Württemberg. Am
21. August 1864
kam es im Bürger-Museum in Stuttgart zur Konstituierung eines Verbandes der wirtschaftlichen Genossenschaften in Württemberg und Baden. 400 bis 500 Teilnehmer vertraten elf Handwerkerbanken und Vorschussvereine aus Württemberg und fünf aus Baden. Hermann Schulze-Delitzsch nahm selbst aktiv an dieser Versammlung teil.
Die Verbandsgründung scheint der Verbreitung des Genossenschaftswesens in den Städten einen wesentlichen Impuls gegeben zu haben. Rund 60 Handwerker- und Gewerbebanken wurden in den folgenden Jahren bis 1870 in Württemberg gegründet. Dabei spielten die örtlichen Handels- und Gewerbevereine in aller Regel eine wesentliche Rolle. Sie sahen zu Recht in den neuen genossenschaftlichen Banken das richtige Mittel, die Arbeit des örtlichen Gewerbes zu fördern.
1871 Genossenschaftsgesetz in Württemberg
Einen entscheidenden Schritt in der öffentlichen Anerkennung bedeutete es, als am 1. Januar 1871 das Gesetz des Norddeutschen Bundes vom 4. Juli 1868 über die privatrechliche Stellung der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Württemberg in Kraft trat. Die Genossenschaft war nun eine eigene Rechtspersönlichkeit.
Die Raiffeisen-Wurzel
Auch auf dem Lande kam das Genossenschaftswesen über bescheidene Ansätze zunächst nicht hinaus. Den Durchbruch schaffte erst Raiffeisen selbst mit seinem Vortrag am 28. Oktober 1880 in der Stuttgarter Liederhalle. "Sehr passend und geeignet" seien die Darlehenskassen-Vereine für Württemberg, sagte Raiffeisen damals. Noch im November und Dezember 1880 entstanden in Württemberg die ersten zwölf Darlehenskassen-Vereine. Am
26. Juli 1881
gründeten 19 Vereine in der Liederhalle in Stuttgart den "Verband landwirthschaftlicher Creditgenossenschaften".
Seit 1970 Raiffeisen und Schulze-Delitzsch gemeinsam
Zum 1. Januar 1970 haben sich der Württembergische Genossenschaftsverband (Schulze-Deltzsch), dem 247 Volksbanken sowie gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften angehörten, sowie der Raiffeisenverband Württemberg, der 2847 Raiffeisenbanken und landwirtschaftliche Genossenschaften als Mitglieder hatte, zum Württembergischen Genossenschaftsverband Raiffeisen/Schulze-Delitzsch e.V., Stuttgart, zusammengeschlossen. Es ist das erste Zusammengehen von gewerblicher und ländlicher Genossenschaftsorganisation im Bundesgebiet. Am
10. Mai 1973
wurde das GENO-Haus, das neue Haus der württembergischen Genossenschaftsorganisation in der Heilbronner Straße 41 in Stuttgart offiziell eingeweiht. Der Bezug war im Herbst 1972, die Grundsteinlegung am 29. Oktober 1970 erfolgt.
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